Wenn Deals trotz richtigem Preis an der Finanzierung scheitern
Der Käufer ist gefunden, der Preis verhandelt. Und dann platzt der Deal – weil die Finanzierung nicht steht. Worauf Eigentümer achten sollten, bevor sie sich binden.
Es gibt Momente im Verkaufsprozess, die mehr Enttäuschung bringen als alle anderen: wenn der Käufer begeistert ist, der Preis stimmt, die Due Diligence positiv verlaufen ist – und dann, kurz vor der Unterschrift, die Nachricht kommt: Die Finanzierung ist nicht gesichert.
Der Deal platzt. Nicht weil das Unternehmen nicht gut genug wäre. Sondern weil der Käufer sein Versprechen nicht einlösen kann.
Viele Eigentümer unterschätzen, wie sehr der Erfolg eines Verkaufs von der Finanzierungskraft des Käufers abhängt. Sie konzentrieren sich auf den Preis, auf die Verträge, auf die persönliche Chemie. Aber sie vergessen die eine Frage, die über alles entscheiden kann: Woher kommt das Geld – und wie sicher ist es?
Die Illusion der Zahlungsfähigkeit
In meiner Erfahrung gibt es kaum etwas Frustrierenderes, als einen gut verhandelten Deal scheitern zu sehen, weil der Käufer die Finanzierung nicht stellt. Und es passiert häufiger, als man denkt.
Manche Käufer überschätzen ihre Möglichkeiten. Sie glauben, die Bank werde ihnen schon folgen. Sie rechnen mit Zusagen, die dann nicht kommen. Sie versprechen etwas, das sie nicht halten können.
Andere wiederum sind bewusst optimistisch. Sie hoffen, dass sich die Finanzierung schon irgendwie regeln lässt – und setzen den Verkäufer damit unbewusst unter Druck.
In beiden Fällen ist das Ergebnis das gleiche: Der Verkäufer verliert Zeit, Vertrauen und oft auch andere Interessenten, die er während der Exklusivität abgesagt hat.
Ich habe Eigentümer erlebt, die nach einem geplatzten Deal monatelang brauchten, um wieder in eine starke Verhandlungsposition zu kommen. Nicht weil ihr Unternehmen weniger wert gewesen wäre. Sondern weil der Markt spürte: Da ist etwas schiefgelaufen.
Worauf es wirklich ankommt
Die Frage ist nicht nur: „Kann der Käufer zahlen?“ Sondern: „Wie sicher ist seine Finanzierung?“
Ein seriöser Käufer wird Ihnen frühzeitig zeigen können, woher das Geld kommt. Eigenkapital, verbindliche Finanzierungszusagen, nachvollziehbare Strukturen. Je transparenter, desto besser.
Vorsicht ist geboten, wenn alles vage bleibt. Wenn der Käufer ausweicht, auf „nächste Schritte“ verweist oder sich hinter komplizierten Konstruktionen versteckt. In vielen Fällen steckt dahinter nicht böse Absicht, sondern Unsicherheit. Aber die müssen Sie nicht ausbaden.
Ein weiterer Punkt: Nicht jede Finanzierung ist gleich stabil. Ein Käufer, der stark fremdfinanziert, geht höhere Risiken ein. Wenn die Bank später die Konditionen ändert oder ganz aussteigt, stehen Sie wieder da. Ein Käufer mit starkem Eigenkapitalpolster ist oft der verlässlichere Partner – auch wenn der Preis vielleicht etwas tiefer liegt.
Die Kunst der richtigen Fragen
In vielen Gesprächen mit Verkäufern sehe ich: Diejenigen, die spät enttäuscht wurden, haben die falschen Fragen gestellt. Sie fragten: „Was zahlen Sie?“ Aber nicht: „Woher kommt das Geld?“
Wer frühzeitig Klarheit über die Finanzierung gewinnt, schützt sich vor bösen Überraschungen. Dazu gehört:
Die Finanzierungsstruktur des Käufers verstehen
Nach verbindlichen Zusagen fragen
Sich nicht mit vagen Absichtserklärungen zufriedengeben
Im Zweifel einen Plan B haben
Das ist keine Frage von Misstrauen. Es ist eine Frage von Sorgfalt. Gerade bei einem Deal, der das Lebenswerk betrifft, ist das der falsche Ort für Optimismus allein.
Was bleibt
Ein guter Deal ist nicht der mit dem höchsten Preis. Es ist der, der auch wirklich zustande kommt.
Wer sein Unternehmen verkauft, sollte sich nicht nur auf den Käufer verlassen, sondern auch auf dessen Finanzierung. Je früher diese Frage geklärt ist, desto sicherer ist der Weg zur Unterschrift.
Und wenn ein Käufer diese Frage nicht beantworten kann oder will, ist das vielleicht schon die Antwort.
Frage an Sie:
Wissen Sie, wie Ihr Käufer finanzieren will – oder hoffen Sie es nur?
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Wenn dieses Thema für Sie aktuell ist, sprechen Sie mich an: felixtschopp.com, ft@felixtschopp.com, +41 79 303 33 31


