Sind Banken in der Krise Partner oder Gegner
Wie offene Kommunikation und klare Pläne auch schwierige Situationen entschärfen.
Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, ist die Bank der letzte Ort, an dem man Überraschungen erleben will. Und doch passiert genau das immer wieder.
Die Zahlen verschlechtern sich. Die Liquidität wird knapp. Der Unternehmer hofft auf Besserung, schiebt das Gespräch mit der Bank hinaus, schönt vielleicht sogar die eine oder andere Zahl. Bis es nicht mehr geht. Und dann ist das Vertrauen oft schon zerstört, bevor das erste Wort gesprochen ist.
Ich habe in den letzten Jahren viele Unternehmen in schwierigen Phasen begleitet. Und immer wieder habe ich gesehen: Die Art, wie man mit der Bank umgeht, entscheidet oft über Erfolg oder Scheitern – mehr als die nackten Zahlen.
Die Versuchung des Schweigens
Es beginnt meist harmlos. Eine Zahl ist nicht ganz so gut wie erwartet. Ein Auftrag verzögert sich. Eine Investition kostet mehr als geplant. Nichts Dramatisches, denkt der Unternehmer. Das holen wir nächstes Quartal wieder auf.
Doch wenn sich die Abweichungen häufen, wächst die Versuchung zu schweigen. Oder die Lage schöner darzustellen, als sie ist. Nicht aus böser Absicht, sondern aus der Hoffnung, dass es sich bald von selbst erledigt.
Das ist menschlich verständlich. Aber es ist der grösste Fehler, den man machen kann. Denn wenn die Bank später die Wahrheit erfährt – und sie erfährt sie immer –, ist das Vertrauen weg. Und ohne Vertrauen wird jede Verhandlung schwierig.
Was Banken wirklich wollen
Banken sind keine Gegner. Sie sind auch keine Freunde. Sie sind Partner mit eigenen Interessen. Sie wollen ihr Geld zurück – und wenn möglich, ein bisschen mehr. Und sie wollen Sicherheit, dass das auch klappt.
Was Banken nicht wollen, sind Überraschungen. Sie können mit schlechten Nachrichten umgehen, wenn sie rechtzeitig kommen. Sie können mitkrise wenn sie einbezogen werden. Sie können helfen, wenn sie verstehen, was los ist.
Was sie nicht können, ist vertrauen, wenn sie belogen wurden. Was sie nicht tun, ist Geld geben, wenn sie das Gefühl haben, dass die Lage ausser Kontrolle ist. Was sie nicht akzeptieren, ist, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.
Die Kunst der offenen Kommunikation
In vielen Gesprächen mit Unternehmern, die schwierige Phasen erfolgreich gemeistert haben, sehe ich ein Muster. Sie haben frühzeitig das Gespräch mit der Bank gesucht. Sie haben offen kommuniziert, was los ist. Sie haben realistische Pläne vorgelegt, wie sie die Krise bewältigen wollen.
Und sie haben eines nicht getan: Sie haben nicht versprochen, was sie nicht halten konnten. Sie haben keine Zahlen genannt, die nicht stimmten. Sie haben keine Termine gesetzt, die unrealistisch waren.
Das hat Vertrauen geschaffen. Und Vertrauen hat Spielräume eröffnet. Die Bank hat mitgezogen, wo sie hätte bremsen können. Sie hat geholfen, wo sie hätte kündigen können. Nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sie wusste, woran sie war.
Was bleibt
Eine Krise ist kein Grund zu schweigen. Sie ist ein Grund zu reden. Je früher, desto besser. Je offener, desto besser. Je klarer, desto besser.
Wer das beherzigt, hat nicht nur eine grössere Chance, die Krise zu überstehen. Er hat auch eine bessere Position für die Zeit danach. Denn Banken vergessen nicht, wer in schwierigen Zeiten fair mit ihnen umgegangen ist.
Frage an Sie:
Wie offen sprechen Sie mit Ihrer Bank – auch wenn es weh tut?
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Wenn dieses Thema für Sie aktuell ist, sprechen Sie mich an: felixtschopp.com, ft@felixtschopp.com, +41 79 303 33 31


